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VGH Stiftung
Preisträger 2010
 

Auch 2010 sind wieder zahlreiche interessante und anspruchsvolle Bewerbungen eingegangen, sowohl von kleinen, ehrenamtlich geführten Museen als auch von großen, professionell aufgestellten Häusern. So fiel es der Jury schwer, sich bei ihrer Wahl auf sechs Preisträger zu beschränken. Ihnen winken je 3.500 € zur Umsetzung ihres Vorhabens. In einer kleinen Feierstunde werden die Preise den Museen vor Ort durch die jeweiligen Regionaldirektoren, die Historischen Landschaften und die VGH-Stiftung übergeben. Die Vorhaben sollen innerhalb eines Jahres nach Preisübergabe umgesetzt und - zur Anregung auch für andere Museen - unter www.vgh-stiftung.de ins Internet eingestellt werden.

Bomann-Museum Celle

Dem Wandel der Zeiten auf der Spur sind Schüler der Jahrgangsstufe 6-10, die an dem Projekt „KULTUR-LANDSCHAFT-DIGITAL“ des Bomann-Museums Celle teilnehmen. Mit Hilfe moderner Medien entdecken sie historische Kulturlandschaftsspuren im Nahbereich der Stadt Celle und setzen diese in Beziehung zu Exponaten des Museums.
Erste theoretische Kenntnisse sammeln die Schüler im Museum, bevor es auf Fahrrädern in die stadtnahe Natur geht. Bei der Suche nach früheren Landschaftsbildern helfen bereits bekannte Landschaftsrelikte, die mithilfe des Niedersächsischen Heimatbundes erfasst wurden. Fundstellen werden mit GPS-Geräten vermessen, fotografiert und im Museum anhand historischer Quellen ausgewertet. Über die Eingabe in die Geodatenbank Kleks werden die Ergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Mithilfe ihrer Forschungsarbeit lernen die Jugendlichen, historische Besonderheiten in der Landschaft zu erkennen, auszuwerten und anderen zu vermitteln. Am Beispiel des Landschaftswandels entsteht auch ein Eindruck von der Veränderung der Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsformen.

Jüdisches Museum „August-Gottschalk-Haus" Esens

Mit der Geschichte des Judentums, des jüdischen Lebens in Esens und der Verfolgung, Emigration und Ermordung der Esenser Juden befassen sich Schüler eines Wahlpflichtkurses Geschichte. Das Projekt „Ludwig Levy – ein Esenser Jude im Interview“ wird von dem Jüdischen Museum „August -Gottschalk - Haus“ Esens angeboten.
Grundlage ihrer Forschungen bilden die Biografie Ludwig Levys, Besuche auf dem Jüdischen Friedhof sowie Literatur und Filme. Den lebendigen Schilderungen Levys entsprechend, setzen die Schüler ihre Erfahrungen in Interviews mit Levy und weiteren Zeitzeugen, dargestellt von erwachsenen Sprechern, um. Die in einem Tonstudio aufgezeichneten Interviews werden über i-Pods mit entsprechenden Bildern den Museumsbesuchern nutzbar gemacht. Sie erfahren auf ihrem Weg durch das Museum Einiges über jüdische Bräuche und jüdisches Leben.
Das Projekt fördert Sozial-, Methoden- und Medienkompetenz, ermöglicht jungen Menschen Zugang zur jüdischen Kultur und bindet sie an das Museum.

Kunsthalle Bremen und Weserburg | Museum für moderne Kunst Bremen

„Schnittstelle. Kunst Club Bremen trifft Schule“. Mit diesem Kooperationsprojekt fordern die Kunsthalle Bremen und die Weserburg I Museum für moderne Kunst Bremen Schüler der neunten Klasse eines Gymnasiums auf, eigene Kunstwerke zu schaffen und sie, gemeinsam mit Jugendlichen des Kunst Clubs Bremen, in den Räumen der Weserburg in einer eigenen Ausstellung zu zeigen.
Exponate der Kunsthalle Bremen und der Weserburg bilden für die Schüler einen reichhaltigen Fundus, eigene künstlerische Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Zusammen mit Jugendlichen des Kunst Clubs Bremen konzipieren sie anschließend eine Ausstellung und präsentieren ihre Kunstwerke. Dabei lernen sie etwas über Ausstellungsarchitektur, die Gestaltung eines Katalogs, Marketing, Pressearbeit und die Erarbeitung eines Veranstaltungsprogramms. Innerhalb der Veranstaltungen werden inhaltliche und formale Verknüpfungen zwischen der Schüler-Ausstellung und den regulären Ausstellungen im Haus hergestellt.
Über die Auseinandersetzung mit der Kunst entwickeln Jugendliche ihre Kreativität, erhalten einen Einblick in die Arbeit eines Kurators und einen Bezug zum Museum.

Kunstmuseum Wolfsburg

„Ich und das Moderne“ lautet das Mehrgenerationen - Projekt des Kunstmuseums Wolfsburg, das neben Schülern der Jahrgangsstufe 5-6 auch deren Eltern und Großeltern einbezieht. Sie werden aufgefordert, sich mit dem Begriff der „Moderne“ in ihrem Lebensumfeld auseinanderzusetzen.
Ideengeber ist die aktuelle Ausstellung „Kunst und Mode“ des Museums. Bei Familienführungen, Workshops mit Künstlern, konzipiert für Jung und Alt, sowie Gesprächen und Kurzvorträgen sollen Antworten auf die Frage nach dem Begriff der „Moderne“ gefunden werden. Familienradtouren ins Umland sowie Stadtrundgänge, organisiert durch das Forum Architektur der Stadt Wolfsburg, erweitern das Thema. Einblicke in fremde Kulturen liefert der multikulturell geprägte Internationale Freundeskreis bei Kurzvorträgen und gemeinsamem Kochen und Essen landestypischer Gerichte und schlägt damit Brücken zu Schülern mit Migrationshintergrund. Die Ergebnisse werden in der Zaha Hadid Lounge des Museums präsentiert.
Schüler und Familienmitglieder werden bei diesem Projekt über das gemeinsame Erleben und die Methodenvielfalt in der Wahrnehmung ihres Lebensraumes sensibilisiert und ihr Urteilsvermögen wird gestärkt.

Museum August Kestner Hannover

Viele Jugendliche sind heute der Meinung, dass Museen ihnen nichts zu bieten haben. Mit ihrem ungewöhnlichen Projekt „Dunkle Gestalten und sprechende Stühle“, einer inszenierten Führung im Dunkeln, wollen Mitglieder des Jugendclubs des Museum August Kestner Hannover Kinder ab 12 Jahren vom Gegenteil überzeugen.
Eine Führung im Dunkeln, mit Licht- und Farbeffekten, Geräuschen, wie Flüstern, Singen und musikalischen Akzenten, lässt das Museum in einem fremden, geheimnisvollen Licht erscheinen und soll die jungen Besucher auf verschiedenen Ebenen ansprechen. Spielszenen werden entwickelt, so um die Reliquiare der „Goldenen Tafel“. Was geschah nach dem Raub mit ihnen? In der Designabteilung geht es um die Frage: Würde die Formensprache der Sitzmöbel etwas über ihre Charaktereigenschaften aussagen, wenn man sie zum Leben erwecken könnte? Hausherr August Kestner selbst ist es, der die Gäste in einer Art Zeitreise durch die Ausstellung führt.
Museumsinhalte werden so auf neue, erfrischende Art präsentiert. Darüber hinaus erfahren Jugendliche, dass die Auseinandersetzung mit geschichtlichen Inhalten durchaus mit Spaß, Kreativität und persönlicher Kompetenz in Einklang gebracht werden kann.

Ostfriesisches Landesmuseum Emden

Die Geschichte der Großeltern, aber auch die einer ganzen Epoche, gilt es zu erforschen bei dem Projekt des Ostfriesischen Landesmuseum Emden mit dem Titel „Meine Großeltern und ich“, das sich an Schüler eines Fachgymnasiums wendet.
Über die Methode der „Erzählten Geschichte“ (oral history) erfahren die jungen Familienforscher etwas zur persönlichen Geschichte ihrer Großeltern. Über deren Schulausbildung und Berufserfahrung entsteht zudem ein Bezug zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der 1950er und 1960er Jahre der Stadt Emden. Familiengeschichten mit Migrationshintergrund nehmen dabei einen besonderen Platz ein. Bei der Auswertung des Archivmaterials zur Wiederaufbau- und Wirtschaftswunderzeit erhalten die Jugendlichen fachliche Unterstützung von Museumspädagogen, Archivaren und Historikern. Begleitet durch die ortsansässige Presse präsentieren sie ihre Ergebnisse im Museum und im Internet.
Schüler lernen bei diesem Projekt zum einen etwas über wissenschaftliches Forschen und die Konzipierung einer Ausstellung, zum anderen finden sie über die Aufarbeitung der Vergangenheit ihrer Großeltern Zugang zu ihrer eigenen Geschichte und ihrer Zeit.

Bildnachweis:
Titelfoto:
Archiv Kunstmuseum Wolfsburg
Bomann-Museum Celle:
Uwe Rautenberg
Jüdisches Museum „August-Gottschalk-Haus" Esens:
Carl-Gittermann-Realschule Esens
Kusnthalle Bremen / Weserburg | Museum für moderne Kunst Bremen:
Janin Dietrich
Kunstmuseum Wolfsburg:
Archiv Museum
Museum August Kestner:
Christian Tepper
Ostfriesisches Landesmuseum Emden:
Gero Conring

 
Flyer herunterladen
Flyer zum Förderpreis Museumspädagogik 2010

Projektbeschreibung
Bomann-Museum Celle

Projektbeschreibung
Jüdisches Museum „August-Gottschalk-Haus" Esens

Projektbeschreibung
Kunsthalle Bremen / Weserburg | Museum für moderne Kunst Bremen

Projektbeschreibung
Kunstmuseum Wolfsburg

Projektbeschreibung
Museum August Kestner Hannover

Projektbeschreibung
Ostfriesisches Landesmuseum Emden