Gut Grün - Historische Gärten und ihre Restaurierung
Wörlitz - dieser Name kommt einem immer in den Sinn, wenn man an englische Gärten in Deutschland denkt. Kaum jemand ahnt, dass die ersten Gärten nach englischem Vorbild in den Grenzen des heutigen Niedersachsens angelegt wurden und zwar geraume Zeit vor dem Wörlitzer Park. Dies war begründet in der seit 1714 bestehenden Personalunion mit dem Vereinigten Königreich, die in den hannoverschen Landen die Gartenentwicklung vom formalen Barockgarten zum englischen Landschaftsgarten förderte. So ließ Landdrost Otto v. Münchhausen um 1750 westlich seines Schlosses in Schwöbber einen neuen Garten im englischen Stil anlegen, der einer der frühesten auf dem europäischen Kontinent war.
Georg I. und Georg II. besuchten häufig ihre hannoverschen Stammlande und die Sommerresidenz Herrenhausen. Sicherlich werden sie dann von den Veränderungen in der Gartenkunst berichtet haben. Denn auf der Insel hatte sich diesbezüglich einiges getan. Waren die Gärten des 16. Jh. eine italienische Entwicklung, die des 17. Jh. eine französische, so sollten die Gärten des 18. Jh. eine englische Entwicklung werden.
Frankreich, das Land der Barockgärten, folgte dem englischen Vorbild sehr spät. In Deutschland hingegen war man dem neuen Gedankengut von der Insel gegenüber wesentlich aufgeschlossener. Salomon Geßner und Heinrich v. Kleist, beide Dichter, und ersterer auch Landschaftsmaler, bedauerten ”die Vergewaltigung der Natur im französischen Garten”. Otto v. Münchhausen machte - wie oben beschrieben - in Schwöbber den praktischen Anfang, dieser Klage zu begegnen.
Erholung im Kurpark
Der lüneburger Kurpark ist im englischen Stil gehalten. Im nördlichen Teil überwog der Kurbetrieb mit Badehaus, Wandelhalle, Gradierwerk, Trinkhalle und Konzertplatz, während im südlichen Teil mit Teichen, Tennisplätzen usw. Natur und körperliche Ertüchtigung ermöglicht wurden. Somit kam und kommt dem Kurpark eine wesentliche Bedeutung für die Erholung der Bevölkerung zu.
Nach dem 1. Weltkrieg übernahm die Stadt Lüneburg den Kurbetrieb und erweiterte den Kurpark. Das Alte Kurhaus existiert leider nicht mehr, an seiner Stelle wurde 1973 ein modernes Kurzentrum errichtet. Der Kurpark ist in seinen wesentlichen Gestaltungsmerkmalen auch heute noch erhalten, wenngleich der Baumbestand überaltet und die Sichtachsen teilweise zugewachsen sind. Eine denkmalpflegerische Maßnahme ist daher dringend geboten.
Zunächst soll ein gartenhistorisches Gutachten mit historischer Analyse, Bestandserhebung und Bewertung nebst einem Entwicklungs- und Pflegekonzept erarbeitet werden. Ein daraus resultierender Maßnahmekatalog soll dann in mehreren Schritten umgesetzt werden. Die VGH-Stiftung, die Regionaldirektion Lüneburg und das Landschaftliche Kollegium des Fürstentums Lüneburg haben die Erstellung des gartenhistorischen Gutachtens unterstützt.
Ein seltenes Beispiel
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Die Stadt Obernkirchen liegt südlich der alten Landstraße von Bückeburg nach Stadthagen an den westlichen Ausläufern des Bückeberges. In weiten Teilen der Stadt hat sich die historische Parzellierung erhalten, so auch an der Langen Straße. Die Grundstücke grenzen hier, nach Nordwesten leicht abfallend, an den ehemaligen Stadtgraben. Der weite Blick in die Landschaft bewog die Familie des Arztes Ferdinand Brockmann, genau an dieser Stelle einen Garten anzulegen.
Ein ursprünglich an dieser Stelle anzunehmender Nutzgarten wurde erstmals wohl in den Jahren um 1840 zu einem Ziergarten umgestaltet. Die heutige Gestalt des Gartens stammt mit Sicherheit aus der Zeit um 1900. Es ist viel von der Originalsubstanz des Gartens aus dieser Zeit erhalten.
Der Brockmann´sche Garten ist mittlerweile in das Eigentum der Stadt Obernkirchen übergegangen, die ihn der Öffentlichkeit öffnen möchte. Dazu muss jedoch eine Rückstandspflege durchgeführt werden. Diese und das Pflegekonzept wurden auf der Grundlage einer wissenschaftlichen Untersuchung erarbeitet. Der Garten ist ein typisches Beispiel für bürgerliche Gärten, von denen leider nur sehr wenige Beispiele erhalten sind. Damit kommt ihm überregionale Bedeutung zu. Grund genug für die Stiftung hier fördernd tätig zu werden.
Bildnachweis:
Grundriss Garten Brockmann
© Stadt Obernkirchen
Garten Brockmann
© Stadt Obernkirchen