Der Forschung zugänglich machen – Judaica in der Niedersächsischen Landesbibliothek
Proben haben ergeben, dass im sogenannten Altbestand der Niedersächsischen Landesbibliothek – Schriften zwischen 1500 und 1850 – eine erhebliche Anzahl von Judaica enthalten sind. Unter Judaica werden dabei all die Titel verstanden, die sich formal und/ oder inhaltlich auf den jüdischen Kulturkontext beziehen oder aus ihm stammen, sich mit Juden beschäftigen oder aber von Juden geschrieben wurden, sowie Schriften, die hebräisch oder jiddisch verfasst wurden. Die Proben durch ausländische Wissenschaftler haben auch ergeben, dass äußerst wichtige und seltene Schriften zu dem Bestand gehören.
Leider sind die Judaica Bestände nicht erschlossen und damit der Forschung nicht unmittelbar zugänglich. In einem zweistufigen Projekt soll der Bestand nun aufgearbeitet werden.
Die von der VGH-Stiftung geförderte Vorphase ermöglicht über die einschlägigen Kataloge und Findmittel eine systematische Bestandsaufnahme. Ein abschließendes wissenschaftliches Arbeitsgespräch mit Historikern und Judaisten soll dann die Ergebnisse werten und die Marschrichtung für die Hauptphase, die inhaltliche Erschließung des Bestandes mit gedrucktem Bestandskatalog, Digitalisierung, Auswertung und Einordnung des Bestandes mit den entsprechenden Kosten vorgeben.
Vom Alltagsleben aus zweieinhalb Jahrhunderten
 |  |
Im Archiv des Landkreises Cuxhaven in Otterndorf liegt ein bisher unausgewerteter Bestand von rund 2.000 Inventaren privater Haushalte des 17. bis 19. Jahrhunderts aus dem Land Hadeln. Es handelt sich um einen äußerst reichhaltigen, in Niedersachsen sehr wahrscheinlich einzigartigen Bestand von Vermögens- und Nachlassverzeichnissen aus knapp zweieinhalb Jahrhunderten. Hier erfährt man bis ins Detail, wieviel Bettwäsche vorhanden war, ob der Besitzer Branntwein liebte oder ob seine Stube gut eingerichtet war. Das hat nicht nur anekdotischen Wert, sondern es lässt sich ein einmaliger Überblick über die unterschiedlichen Standes- und Berufsgruppen einer kleinräumig historisch gewachsenen Region gewinnen.
Gefördert durch die VGH-Stiftung wertet die Kranichhaus-Gesellschaft in Otterndorf diese Inventare daher bis 2005 wissenschaftlich aus, publiziert sie und stellt sie interessant inszeniert im “Kranichhaus. Museum des alten Landes Hadeln” aus.
Die Ergebnisse sollen nicht nur in Buchform veröffentlicht, sondern auch im Museum dargestellt und mit Hilfe von Themenmappen und museumspädagogischen Programmen für den allgemeinbildenden Unterricht der Schulen nutzbar gemacht werden. Und wie könnten Unterschiede und Gemeinsamkeiten des Alltagslebens von 1750 und 2003 besser verdeutlicht werden als durch den Vergleich der Gegenstände, die in einem Haushalt vorhanden waren. Womit beschäftigte man sich zum Beispiel ohne Fernseher, Radio oder Gameboy?
Streben nach Unabhängigkeit – Der Altar von St. Jacobi zu Göttingen
 |  |
600 Jahre Flügelaltar in St. Jacobi zu Göttingen: Dieses Jubiläum war für die ev.-luth. Kirchengemeinde Anlass, einerseits die Geschichte des überregional bedeutenden Kunstwerks besser zu erhellen und andererseits stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
In wissenschaftlicher Hinsicht führte der Altar trotz seiner Bedeutung für Norddeutschland bislang eher ein Schattendasein. Dies sollte sich im Jubiläumsjahr ändern. Grundlage dafür waren von der VGH-Stiftung geförderte Untersuchungen. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden auf einem interdisziplinär und international besetzten Symposium diskutiert, das vom Max-Planck-Institut für Geschichte in Zusammenarbeit mit dem Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Georg-August-Universität Göttingen durchgeführt wurde.
Von den Ergebnissen und von der positiven Publikumsresonanz zeigten sich die Wissenschaftler und der Pastor von St. Jacobi, Dirk Tiedemann, sehr positiv überrascht. So konnte außer der Altersfrage auch die Entstehungsgeschichte deutlicher skizziert werden. Die Anfertigung des heute noch als Teil des Gottesdienstes genutzten Altars stand in Zusammenhang mit Auseinandersetzungen zwischen Bürgerschaft und welfischem Stadtherrn um die Jacobikirche. Die städtischen Unabhängigkeitsbestrebungen zeigen sich etwa in der Figur der Katharina von Alexandria, die auf das Erzstift Mainz als neuen Schutzherrn verweist. Alleine solche Details zeigen immer wieder die Aktualität von Geschichte.
Bildnachweis:
Titelblätter einiger Judaica
© Niedersächsische Landesbibliothek Hannover
silberne Branntweinschale
© Landkreis Cuxhaven
Altar St. Jacobi
© Kirchengemeinde St. Jacobi, Göttingen