Es fließt wieder
Im schaumburgischen Apelern bestehen zwei Rittergüter: im Westen des Dorfes seit dem 14. Jahrhundert eine ehemalige Wasserburg der Familie von Münchhausen und im Osten der wesentlich schlichtere Adelssitz der Freiherren von Hammerstein. Letzteres wurde wohl von Jobst von Münchhausen als Wasserburg erbaut, um 1580 vom schaumburgischen Kanzler Anton von Wietersheim erworben und steht seit 1673 im Eigentum der Freiherren von Hammerstein.
An den gärtnerischen Anlagen von Apelern lässt sich exemplarisch der Wandel von Gutsgärten nachvollziehen. Stets hatten sie wechselnden Ansprüchen zu genügen, die sich zwischen den Eckwerten „Repräsentation“ einerseits und „Funktionalität“ andererseits bewegten. Besonders nach dem 2. Weltkrieg bekam die wirtschaftliche Nutzung von Gutsgärten große Bedeutung, da die Nahrungsmittelproduktion absoluten Vorrang hatte.
Nachdem die Gebäude des Wirtschaftshofes und das Wohnhaus mit großem finanziellen Aufwand durch den Eigentümer restauriert worden sind, konnte jetzt mit Hilfe der VGH-Stiftung der Gartenteil in Angriff genommen werden. In einem ersten Abschnitt wurde dazu die Graft wieder instand gesetzt und die Wasserzuführung neu geregelt. Letztere war vor vielen Jahren durch Baumaßnahmen im Dorf unterbrochen worden.
Ein Ölgemälde wir lebendig
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Andere Aufgaben galt es in Böhme am Rande der Heide zu bewältigen. Unmittelbar an dem gleichnamigen Fluss liegt das ehemals Hattorf´sche Gut. Durchquert man den Wirtschaftshof mit seinen Scheunen, Stallungen, dem Taubenhaus und der Wassermühle, passiert danach das Pylonentor, trifft man auf das barocke Herrenhaus und die daneben gelegene Gutskapelle, einen achteckigen Zentralbau aus dem Jahr 1717.
Ein zeitgenössisches Ölgemälde und ein ebenfalls zeitgenössischer Plan unterrichten uns über das Aussehen der Gartenanlagen. Unmittelbar vor dem Herrenhaus bestand ein streng achsial gegliederter Garten, dessen längsrechteckige Rasenpartien mit Buchsbäumen umsäumt waren. Dieser ganze Gartenteil ist von einer noch bestehenden Ziegelmauer mit ehemals fünf Toranlagen umschlossen. Seitlich dieses Gartenteils, unmittelbar hinter der Gutskapelle, bestand ein weiterer Teil, ebenfalls streng gegliedert, allerdings aufwändiger gestaltetet mit Bosketten, die von hohen Hecken begrenzt und im Inneren kunstvoll beschnitten waren.
Auffallendstes Gliederungsmerkmal ist eine Lindenallee, die, an der Mauer zum Herrenhaus beginnend, bis zum Fluss reicht. Diese Allee ist eine der letzten original erhaltenen vegetativen Strukturen der ehemaligen barocken Gartenanlage, die zweifellos zu den wichtigsten im Heidebereich zählte. Allerdings ist die Lindenallee aufgrund ihres hohen Alters in einem schlechten Zustand. Eine Neuanpflanzung, von der VGH-Stiftung gefördert, war daher unumgänglich, um so, gemeinsam mit der Ziegelmauer und anderen erhaltenen Teilen, die Strukturen der Gartenteile zu verdeutlichen.
Wo die Orangenbäume blühten
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Unzweifelhaft zählen die Schlossanlage in Wrisbergholzen und der umgebende Park zu den herausragenden Bau- und Gartendenkmalen in Niedersachsen. Das Schloss, 1740 – 1745 errichtet, bildet den Abschluss einer vierseitigen symmetrischen Gutsanlage mit sechs stattlichen Wirtschaftsgebäuden.
Am nördlichen Rand der Gutsanlage, im ehemaligen Wirtschaftsgarten, steht eine Orangerie. Der aus Backsteinen errichtete und verputzte Mittelteil der Orangerie erhebt sich über einem rechteckigen Grundriss von etwa 9 mal 12 Metern. Zu beiden Seiten eines Mittelrisalites mit dem Haupteingang gliedern je zwei doppelt gekuppelte große Rundbogenfenster die Fassade der Orangerie. Das Innere besteht aus einem einzigen großen hohen lichtdurchfluteten Raum, in dem lediglich vier schlanke Holzpfeiler das Dachwerk tragen.
Der derzeitige bauliche Zustand der Orangerie ist sehr schlecht, da seit mindestens einem halben Jahrhundert keine Unterhaltungsmaßnahmen durchgeführt wurden. Die Eigentümerin hat sowohl die Fayencemanufaktur als auch die Orangerie in die Obhut des Vereins zur Erhaltung von Baudenkmalen in Wrisbergholzen gegeben. Nach Abschluss der von der VGH-Stiftung unterstützten Restaurierungsmaßnahmen will der Verein die Orangerie als multifunktionalen Raum für Veranstaltungen nutzen, in dem u. a. Vorträge über Gartendenkmalpflege etc. gehalten werden sollen, oder sich Künstler aus der Region in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein der Samtgemeinde Sibbesse vorstellen. Langfristige Vision ist, das Gebäude wieder seiner ursprünglichen Nutzung als „Pflanzenhaus“ zuzuführen.
Drei verschiedene historische Gärten mit drei ebenso verschiedenen Aufgabenstellungen zeigen einerseits die Bandbreite gartendenkmalpflegerischer Tätigkeit und andererseits die mannigfaltigen Probleme vor denen die Eigentümer stehen. Die VGH-Stiftung konnte ihnen bei deren Bewältigung hilfreich zur Seite stehen.
Bildnachweis:
Lindenallee im Gutspark Böhme
© Curt Frhr. v. Hodenberg
Lindenallee im Gutspark Böhme
© Curt Frhr. v. Hodenberg
Orangerie im Schlosspark Wrisbergholzen
© Verein zur Erhaltung von Baudenkmalen Wrisbergholzen e.V.