Ein Ort liest
Trotz feuchtkalter Witterung waren Hunderte von Besuchern der Einladung auf den Burghof in Springe gefolgt. In der „Klangschmiede“ waren nicht weniger als 20 Ambosse, Spitzhacken und Trommeln zu hören. Das Konzert war der krönende Abschluss des elftägigen Veranstaltungsmarathons „Springe. Licht am Deister“ vom 30. Oktober bis zum 9. November 2003. Der örtliche Werbe- und Informationsring (WIR) bewarb sich damit bei der City-Offensive „Ab in die Mitte!“ und wurde prämiert.
Eine ganze Stadt mit Lichtprojektionen, Konzerten, Ausstellungen, Filmen und Lesungen zum Erlebnisraum zu machen, war das erklärte Ziel. Die VGH-Stiftung unterstützte den WIR im Rahmen des Projektes bei einer „Ansteckung“ der besonderen Art: „Springe liest“ lautete der Slogan für 60 verschiedene Lese- und Hörspielprogramme, mit denen die ganze Stadt ins Literaturfieber geriet. Drei Tage lang wurde in Geschäften, Restaurants und öffentlichen Gebäuden gelesen und gehört.
Das Buch als Kunstwerk
Ebenfalls im November 2003 feierte die Ausstellung „Buchlust“ mit Hilfe der VGH-Stiftung ihr 10-jähriges Jubiläum. Sie wird jährlich vom Literaturbüro Hannover ausgerichtet. Niedersächsische Verlage und Kunstpressen zeigen an einem Wochenende ihr Programm. Traditionell werden zusätzlich Verlage jeweils eines anderen Bundeslandes eingeladen; anlässlich des Jubiläums hatte man jedoch das Spektrum auf Verlage aus Österreich und Tschechien erweitert. Wie immer hatte die Jury die gewaltigen Mengen eingesandter Exponate gesichtet und über die Teilnahme an der „Buchlust“ entschieden.
Viele der ausgestellten Bücher und Papierobjekte sind im Buchhandel nicht zu sehen. Die gebührende Präsentation der teilweise sehr wertvollen, häufig großformatigen Buchkunstwerke wäre innerhalb des normalen Buchhandelsbetriebes auch nicht zu leisten. Die „Buchlust“ ist jedoch mehr als eine optisch und haptisch äußerst anregende Buchkunst-Ausstellung. Sie bietet jedes Jahr ein abwechslungsreiches Beiprogramm, diesmal passend zum Schwerpunkt mit Autoren aus Österreich und Tschechien.
Was ihr wollt!
„Was soll ich lesen?“ fragt sich trotz solch hochkarätiger Veranstaltungen so mancher, der eine Buchhandlung betritt und sich mit der Flut von Neuerscheinungen konfrontiert sieht, die in schnellem Rhythmus den Markt überschwemmen.
Eine Anregung zum Lesen waren die Titel, die Literaturschaffende im Rahmen der Reihe „Lesen?!? Was ihr wollt.“ der VGH-Stiftung in niedersächsischen Bibliotheken vorstellten. Melle, Duderstadt und Verden (Aller) – jeweils in Kooperation mit den Regionaldirektionen vor Ort - waren die Schauplätze. Autoren, Literaturkritiker, Verleger und Veranstalter präsentierten jeweils zwei Bücher, keineswegs ausschließlich Neuerscheinungen, sondern auch Wiederentdeckungen, die zu lesen sich lohnt. Das Publikum griff die Vorschläge der Redner, darunter Heinz Ludwig Arnold, Artur Becker, Felicitas Hoppe, Axel Kahrs, Andreas Maier, Ulrike Sárkány und Thedel v. Wallmoden, dankbar auf und lauschte gebannt.
Preisgekrönte Bibliotheken
Die Reihe ist die jüngste Ergänzung im Literaturprogramm der VGH-Stiftung, der die Leseförderung besonders am Herzen liegt. So schrieb sie im vergangenen Jahr zum dritten Mal ihren „Bibliothekspreis der VGH-Stiftung“ aus. Gleich drei Gewinner wurden Anfang des Jahres 2004 gekürt: Den „großen“ Preis erhielt die Stadtbibliothek KÖB Georgsmarienhütte, einen „Sonderpreis für stadtteilorientierte Bibliotheksarbeit“ die Zweigstelle West der Stadtbibliothek Bremen. Mit dem Preis für Kleine Bibliotheken im Ländlichen Raum wurde die Gemeindebibliothek Sande ausgezeichnet. Eine Belobigung für vorbildliche Bibliotheksarbeit erhielten zwei weitere kleine Bibliotheken: die Gemeindebücherei Hesel und die Stadtbibliothek Alter Bahnhof in Clausthal-Zellerfeld.
Bildnachweis:
Licht am Deister, Springe, 2003
© Marita Scheffler