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VGH Stiftung
Wissenschaft
 

Die Förderbereiche Wissenschaft und Denkmalpflege der VGH-Stiftung können sich wirkungsvoll ergänzen. Eine wissenschaftliche Studie sollte der erste Schritt sein, bevor aufwändige Erhaltungsmaßnahmen von Denkmalen ins Auge gefasst werden.

Tessenow: überzeugend schlicht

Diesem Grundsatz folgend fördert die VGH-Stiftung eine Studie für ein Gebäude in Steinhorst im Landkreis Gifhorn. Es wurde 1911 aus dem Erbe eines jüdischen Bankiers als Lehrlingswohnheim errichtet und gehörte zu einer Ausbildungsstätte für jüdische Landwirte.
Hier wurden Lehrlinge im Alter von acht bis achtzehn Jahren, vornehmlich solche, die nach Palästina auswandern wollten, auf Tätigkeiten im Gartenbau und in der Landwirtschaft vorbereitet. Nach dem Tode Simons ging sein Vermögen in eine Stiftung, die einen heruntergewirtschafteten Gutshof zu einer Ausbildungsstätte für jüdische Landwirte umbauen ließ.
Zu dieser Ausbildungsstätte gehörte ein Lehrlingswohnheim, dessen Entwurf der Architekt Heinrich Tessenow lieferte. Tessenow ist durch die Umgestaltung der Neuen Wache in Berlin zum Ehrenmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs (1931) heute noch bekannt.
Das Außergewöhnliche an dem Gebäude in Steinhorst ist, dass es das einzige nahezu vollständig erhaltene Bauwerk Heinrich Tessenows in Niedersachsen ist.
Überzeugend schlicht ist das Wohnheim mit seinen 1000 qm Nutzfläche gestaltet. Der mit einem Walmdach versehene Hauptbau wird von zwei eigenständigen Giebelhäusern flankiert, darin finden sich Schlaf-, Wohn- und Aufenthaltsräume mit den dazugehörigen Sanitär- und Kücheneinrichtungen. Das Wohnheim wurde nur 15 Jahre im Sinne des Erbauers genutzt, seit 1988 steht es unter Denkmalschutz.

Für die längst fällige Sanierung wird nun mit den Fördermitteln der VGH-Stiftung eine Machbarkeitsstudie erstellt, die Bau- und Schadensaufnahme sowie ein Nutzungskonzept zum Inhalt hat.

Verhalf ein Grabmal zum Fürstentitel?

Stadthagen 2003

Weiten Kreisen der Bevölkerung ist in Stadthagen lediglich das Schloss der Grafen von Schaumburg im Stil der Weserrenaissance als herausragendes Baudenkmal bekannt. In diesem Bauwerk dokumentiert sich die bedeutende Rolle Stadthagens als Wirtschafts- und Verwaltungszentrum der Grafschaft Schaumburg.
Auch nach Verlegung der Residenz in das nahegelegene Bückeburg im Jahr 1608, hatte Stadthagen für das Fürstenhaus eine besondere Bedeutung, denn dort war weiterhin der Begräbnisort der Grafen und späteren Fürsten von Schaumburg. Augenfälligstes Beispiel für diesen Zeitabschnitt ist das leider viel zu wenig bekannte und beachtete Mausoleum an der St. Martini Kirche.
Der Graf von Schaumburg ließ das Mausoleum um 1607 für sich und seine Familie errichten. Der kursächsische Hofbaumeister G. M. Nosseni nahm das Grabmal der Familie Medici in Florenz zum Vorbild und gestaltete das Mausoleum besonders von innen überaus verschwenderisch. Aber auch durch das laternenbekrönte Zeltdach und seiner an Palladio gemahnenden Strenge in der äußeren Gliederung ist das Mausoleum einzigartig in Deutschland.
Dieser aufwändige Bau steht möglicherweise in ursächlichem Zusammenhang mit dem Bemühen der Schaumburger Grafen um eine Standeserhöhung und den Fürstentitel.

Das Mausoleum zählt zu den herausragendsten Denkmalen der Renaissance mit internationaler Bedeutung, deshalb fördert die VGH-Stiftung die Erstellung eines qualifizierten Gutachtens. Damit können gezielte Maßnahmen zu einer Restaurierung des Gebäudes und seiner Figuren geplant und ein Finanzierungsplan ausgearbeitet werden. Im Anschluss an die Restaurierung erarbeitet der Förderverein Erlebniswelt Renaissance Stadthagen ein Konzept für öffentliche Besichtigungen des Mausoleums.

Bildnachweis:
Haus der Gemeinde, Steinhorst © Kulturhistorische Gemeinschaft Oberes Lachtetal e.V.
Mausoleum in Stadthagen
© Förderverein Erlebniswelt

 
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