Eine Stadt geht ins Netz
Daten und Fakten zu historischen Häusern im Internet
Der historische Stadtkern von Duderstadt im Eichsfeld zeichnet sich gleich durch zwei Besonderheiten aus, die für Stadtforscher interessant und relevant sind: der ursprüngliche Grundriss im Stadtkern ist über die Jahrhunderte hinweg nahezu unverändert geblieben und Duderstadt verfügt über eine sehr hohe Dichte an historischen Gebäuden: Fast 620 Fachwerkhäuser aus unterschiedlichen Bau- und Stilperioden sind bis heute weitgehend erhalten geblieben.
Mit dem „Duderstädter Häuserbuch“ fördert die VGH-Stiftung ein innovatives Projekt im Bereich der Stadtgeschichtsforschung: In einer umfangreichen Datenbank werden Informationen zu den historischen Häusern im Stadtkern des Ortes zunächst gesammelt und dann für Wissenschaftler und interessierte Bürger im Internet zugänglich gemacht.
Viele Informationen über die Gebäude lassen sich bereits heute im Stadtarchiv Duderstadt finden. Eine ungewöhnlich hohe Anzahl an überlieferten Quellen befasst sich mit dem Häuserbestand des Ortes. Diese Quellen setzen mit dem ältesten städtischen Rechnungsbuch aus dem Jahre 1395 ein und reichen fast lückenlos bis in die Gegenwart.
Das gesammelte Wissen soll jedoch nicht nur virtuell bestehen. Zusätzlich ist ein gedrucktes Häuserbuch in Planung, das die Ergebnisse fest hält und sich in wissenschaftlichen Aufsätzen mit der komplexen Stadtgeschichte Duderstadts beschäftigt.
Auch für den Besucher der Stadt ist das Projekt von Vorteil: beim Spaziergang durch den historischen Stadtkern wird zukünftig anhand von Infotafeln die Geschichte der Fachwerkhäuser anschaulich erklärt.
Verborgener Bücherschatz
Die Erschließung der Freudenteilschen Bibliothek zu Stade
Wohl kaum jemand ist sich der Tatsache bewusst, dass in Stade ein besonderer Bücherschatz schlummert. Es handelt sich hierbei um die sogenannte „Freudentheilsche Bibliothek“ mit insgesamt 1.098 juristischen Titeln.
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Der Begründer dieses Bestandes war Gottlieb Wilhelm Freudentheil, der im Jahre 1792 als Sohn eines Stader Kaufmanns zur Welt kam. Nach seinem Jurastudium in Göttingen ließ er sich als Anwalt in Stade nieder. Neben seiner Tätigkeit in Stade gehörte er auch der hannoverschen Ständeversammlung an und bildete im Jahre 1849 mit anderen die berühmte Deputation, die dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV vergeblich die Deutsche Kaiserkrone antrug. Freudentheil war in Stade nicht nur als Jurist, sondern im herausragenden Maße auch standespolitisch tätig. So organisierte er im Jahr 1846 den ersten deutschen Anwaltstag in Hamburg und regte die Gründung von Anwaltsvereinen, den Vorläufern der heutigen Anwaltskammern, an. Vielen Zeitgenossen ist er als Vater des deutschen „Anwaltstandes“ bekannt. Für all seine Verdienste wurde ihm 1864 als erstem Bürger das Ehrenbürgerrecht der Stadt Stade verliehen.
Neben all seinen Tätigkeiten hatte Gottlieb Wilhelm Freudentheil eine juristische und rechtshistorische Bibliothek aufgebaut. Zu dieser Bibliothek gehören allein zehn Titel aus dem 16. Jahrhundert, 64 aus dem 17. Jahrhundert und 361 aus dem 18. Jahrhundert. Besonderen Wert darf die in 62 schweinsledernen Folianten gebundene Sammlung von 1.741 juristischen Dissertationen des 17. und 18. Jahrhunderts beanspruchen.
Die VGH-Stiftung unterstützt nun die Stadt Stade dabei, dieses kulturhistorisch wertvolle Erbe in entsprechender Form aufzustellen und zu erschließen. Denn die Freudentheilsche Bibliothek repräsentiert einerseits den Typus der privaten Gelehrtenbibliothek des 19. Jahrhunderts und andererseits ist sie eine äußerst wertvolle Quelle für alle diejenigen, die sich wissenschaftlich mit der Rechtsgeschichte befassen. Erst mit Erschließung ist eine wissenschaftliche Nutzung der wertvollen Bestände möglich.
Bildnachweis:
Fachwerkensemble in der oberen Hinterstraße
Gottlieb Wilhelm Freudentheil, mit frdl. Genehmigung der Stadt Stade, Fachbereich Kultur und Stadtarchiv