Auf historischer Spurensuche
Die Inschriften der Lüneburger Klöster bis zum Jahr 1700
Seit vielen Jahren ist die Göttinger Inschriftenkommission im Auftrage der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen damit beschäftigt, die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften in Niedersachsen zu sammeln und zu publizieren. Als Inschriften werden in diesem Zusammenhang alle Texte definiert, die sich beispielsweise auf Glocken, Gebäuden, Fensterscheiben, Gemälden, Grabdenkmalen usw. befinden.
Dabei werden von der Kommission nicht nur die noch vorhandenen Inschriften erfasst, sondern auch diejenigen Inschriften, die nur noch durch Abschrift erhalten sind. Die so erfassten Inschriften werden dann in der Publikation zeitlich geordnet, gegebenenfalls übersetzt und kommentiert. Damit bilden sie eine Grundlage für die weitergehende Forschung.
Die Arbeit der Inschriftenkommission ist naturgemäß auf Jahrzehnte hin angelegt. In der jüngeren Vergangenheit erschienen bereits Bände mit den Inschriften der Stadt Hannover sowie der Stadt Braunschweig, der Stadt Osnabrück und des Landkreises Göttingen.
In dem von der VGH-Stiftung im Bereich Wissenschaft unterstützten Forschungsprojekt stehen nun die Inschriften der Lüneburgischen Klöster im Mittelpunkt. Abgesehen vom Kloster Lüne, dessen Inschriften bereits vor vielen Jahren im Zusammenhang mit den Inschriften der Stadt Lüneburg publiziert wurden, handelt es sich im Einzelnen um die Klöster in Ebstorf, Wienhausen, Isenhagen und Walsrode.
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Auf die Lüneburger Klöster bezogen handelt es sich bei den Inschriftenträgern besonders um Ausstattungsstücke aus dem kirchlichen Bereich. Zu nennen sind hier Altäre, Kanzeln, Kelche, Glocken, Textilien, Gemälde und Gemäldezyklen, Wandmalereiprogramme oder Glasmalereien in den Kirchen- und Kreuzgangfenstern. Zum jetzigen Zeitpunkt beläuft sich der Inschriftenbestand der sechs Lüneburger Klöster bis zum Jahr 1700 auf ca. 300 Inschriften, die zum größten Teil im Original erhalten sind.
Beispielhaft herauszuheben sind hier als große mittelalterliche Inschriftenprogramme die Wandmalereien im Nonnenchor in Wienhausen und der Glasgemäldezyklus im Ebstorfer Kreuzgang. Besonders interessant, weil bisher von der Wissenschaft noch nicht sonderlich beachtet, sind die Zeugnisse lutherischer Frömmigkeit des 17. Jahrhunderts aus den Klöstern, ganz besonders gilt dies für verschiedene um 1650 für das Kloster Lüne angefertigte Gemäldezyklen und Schrifttafeln, deren Inschriften auf die Erneuerung der Frömmigkeit im Kloster zu zielen scheinen.
Eine wichtige Gruppe der Inschriftenträger stellen die Denkmäler des Totengedenkens dar: die Inschriften auf Grabplatten, Epitaphien und, wie im Fall der Gruft in Kloster Lüne, auch die Inschriften der Särge, geben Auskunft über den Umgang mit Tod und Vergänglichkeit, dienen aber zugleich der Repräsentation einer Person, ihrer Familie oder des betreffenden Klosters. Letzeren Zweck erfüllen auch die in großer Zahl in den Klöstern Wienhausen und Lüne zu findenden Wappenglasscheiben, die zumeist mit erläuternden Beischriften versehen sind. Darüber hinaus sind noch Bauinschriften an den verschiedenen Klostergebäuden zu nennen sowie im Falle Wienhausens kleine beschriftete Gebrauchsgegenstände aus dem Klosterleben wie z. B. Namensschildchen.
Bildnachweis:
Grabplatte des Propstes Heinrich Gerdener in Isenhagen (1471),
Fuß des ältesten Ebstorfer Kelches (1. H. 14. Jh.);
mit frdl. Genehmigung: Akademie der Wissenschaften, Göttingen