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Festivalpreview in Berlin

Die Türen des Saals, der wie ein eigenes Gebäude inmitten des gläsernen Foyers der Landesvertretung Niedersachsen sitzt, sind zum Garten hin geöffnet. Der laufwarme Luftzug, der zeitweise über die rund 200 Besucherinnen und Besucher weht, trägt seinen Teil dazu bei, dass es sich atmosphärisch mehr nach Südamerika anfühlt, als nach Berlin-Mitte. Doch einen weitaus größeren Beitrag zu diesem Gefühl leistet die auf einer Nylon-Gitarre gezupfte Melodie von „Hasta Siempre, Comandante“, die unwillkürlich Bilder von Palmenhainen und farbenfrohen kubanischen Häusern vor das innere Auge ruft. Das Lied entstand als Reaktion auf den Abschiedsbrief des Revolutionsführers Ernesto „Che“ Guevara, der in den Kongo aufbrach und danach nie wieder lebend nach Kuba zurückkehren sollte.

Werke des Widerstands

Auch der Brief Che Guevaras wird bei der Kooperationsveranstaltung des Literaturfestes Niedersachsen und der Niedersächsischen Musiktage zu hören sein. Unter dem Titel „Rote Nelken“ vereint der Abend musikalische und literarische Werke, die thematisch um das mutige Aufbegehren kreisen oder längst selbst zu den großen Manifesten des Widerstands zählen: Lesungen von Martin Luther Kings „I Have a Dream“ über August Wilhelm von Schlegels „An die Jungfrau von Orleans“ bis hin zu rhythmisch akzentuierten vorgetragenen Hymnen wie „Die Internationale“ oder das Partisanenlied „Bella Ciao“ – das auch heute wieder häufiger in den Straßen Italiens zu hören ist.

Daniele di Bonaventura und Band'Union: Bella Ciao

Die Künstlerinnen und Künstler des Abends: Schauspieler Heikko Deutschmann, Schauspielerin Julia Hansen sowie der Bandoneonmeister Daniele di Bonaventura mit einem aus Kontrabass, Gitarre und Schlagzeug besetzten Ensemble.

Mit Ausblick auf den Festivalseptember

In mehreren Sets wechseln sich treibende südländische Grooves und energiegeladene Lesungen ab – ein Vorgeschmack auf die kurz vor dem Beginn stehenden Festivals, die jeden September vielzählige Kulturveranstaltungen in das Flächenland Niedersachsen bringen. Bei der Begrüßung sagt Dr. Johannes Janssen, Stiftungsdirektor der VGH-Stiftung und der Niedersächsischen Sparkassenstiftung: „Wir freuen uns sehr, dass wir mit diesem Preview in Berlin einen Vorgeschmack auf die kommenden Festivals geben können.“

Heikko Deutschmann: Schlegel – An die Jungfrau von Orleans

Die Künstler sind auch im weiteren Verlauf der Festivals zu erleben: Julia Hansen und Heikko Deutschmann werden mit einer ähnlichen Textauswahl in Aurich und im Wendland zu Gast sein, Daniele di Bonaventura und sein Ensemble sind Teil des großen Abschlusskonzerts der Niedersächsischen Musiktage in der Staatsoper Hannover.

Für Kultur begeistern

In 27 Veranstaltungen befasst sich das 14. Literaturfest Niedersachsen mit dem Thema „Mut“. Mit Blick auf die programmatische Ausgestaltung des Literaturfestes stellt Intendantin Susanne Mamzed fest: „Mut ist ein Thema, das bewegt, zu Diskussionen anregt und vielerlei Anknüpfungspunkte bietet. Beim Literaturfest können unsere Besucher verschiedenste Aspekte von Mut unter die literarische Lupe nehmen: Es wird um ermutigende Worte gehen, um eigene und mutige Wege junger Künstler, um neue Perspektiven auf couragierte historische Figuren und bekannte Heldensagen, um gesellschaftspolitische Themen, um deutsche Geschichte und Emanzipation, sowie um neue Formen der Sprach- und Tonkunst.“ Das Literaturfest Niedersachsen findet vom 5. bis zum 22. September statt und wird in Zusammenarbeit mit den VGH Regionaldirektionen und den Historischen Landschaften veranstaltet. Das Ziel: Menschen für Literatur zu begeistern. In Berlin ist das bereits gelungen.

Die Niedersächsischen Musiktage starten am 31. August in Wilhelmshaven und enden am 29. September in Hannover.

 

Text und Medien: Bruno Schubert
Umsetzung Internet: Jörg Zimmermann