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Förderpreis Museumspädagogik 2018 Preisverleihung Kunsthalle Bremen

Wie kriegt man Kinder zur Kunst?

Mit dieser Frage beschäftigen sich nicht nur ambitionierte Eltern, sondern auch Museen weltweit. Kinder und Jugendliche wahllos durch Ausstellungen für Erwachsene zu schieben, ist erfahrungsgemäß selten von Erfolg gekrönt. Was also tun? Die Kunsthalle Bremen und die Bremische Landesmedienanstalt haben darauf eine Antwort.

O-Ton Edina Medra, Bremische Landesmedienanstalt

Zwischen Perfektion und Realität

Lisa Kärcher von der Kunsthalle Bremen und Edina Medra von der Bremischen Landesmedienanstalt holen Kinder und Jugendliche mit ihrem gemeinsamen Angebot #fake #selfie genau da ab, wo sie sich gerade befinden: zwischen Kindheit und Jugend, bisweilen beeinflussbar und sinnsuchend im wilden Social-Media-Dschungel. Glamour hier, perfekte Körper da, und überall Anreize zum Konsum - Instagram, Snapchat, Facebook und Co. sind in der Altersgruppe nicht nur absolut angesagt, sondern bergen auch Risiken: Fragwürdige Selbstdefinitionen, Mobbing, Essstörungen und sogar Depressionen sind nicht selten die Kehrseite der schillernden Online-Welt, in der Mädchen meist hübsch und Jungs meist stark sind.

Medienkompetenz vermitteln

Doch längst nicht alles, was auf den geposteten Bildern so makellos daherkommt, ist wirklich echt. Da gibt es Make-up-Artists, Stylisten, Weichzeichner und andere fancy Filter, Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop, smarte Kameraperspektiven und natürlich werden auch nur die glorreichen Momente des Lebens abgebildet. Realität sucht man hier oft genug vergebens. Das sollten Kinder und Jugendliche nicht nur wissen, sie sollten sich auch immer wieder bewusst daran erinnern.

Inszenierung ist kein Modetrend

Die Darstellung von sich selbst und Momenten aus dem Leben ist keineswegs neu: Ob Gemälde, Skulptur oder Aktionskunst - jedes einzelne Kunstwerk der Menschheitsgeschichte ist Inszenierung. Durch den direkten Vergleich mit Selfies von Influencern werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten deutlich, die zum Austausch anregen. In einem Museum wie der Kunsthalle Bremen können Kinder und junge Erwachsene also auch den Wandel der Inszenierung über die Jahrhunderte entdecken.

O-Ton Lisa Kärcher, Kunsthalle Bremen

Der Förderpreis Museumspädagogik für #fake #selfie

Eine Brücke zwischen Kulturgeschichte und Zeitgeist, die Lisa Kärcher und Edina Medra mit ihrem Angebot für Schulklassen gekonnt schlagen: #fake #selfie- Inszenierung in Kunst und Social Media - steht nicht nur für die Vermittlung von Medienkompetenz, sondern führt Kinder und Jugendliche auf Augenhöhe und mit viel Spaß an Kunst und neue Medien heran. Mitmachen, entdecken und kritisch beleuchten ist angesagt. Das kommt nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Horn gut an, die am Projekt bereits teilgenommen haben. Auch die Jury ist begeistert und honoriert das Engagement mit dem Förderpreis Museumspädagogik der VGH-Stiftung. „Natürlich wird das Preisgeld in Höhe von 3.500 Euro gleich reinvestiert, um das Angebot #fake #selfie weiter in den Unterricht zu bringen“, verrät Lisa Kärcher und freut sich über den Erfolg.

Feierliche Preisverleihung (v.l.n.r.) : Dirk Wurzer (Vorstand ÖVB), Maren Schwartz und Tamira Mühlhausen (Referentinnen Bremische Landesmedienanstalt), Lisa Kärcher von der Kunsthalle Bremen, Edina Medra von der Bremischen Landesmedienanstalt, Cornelia Holsten (Direktorin der Bremischen Landesbank), Prof. Dr. Christoph Grunenberg (Direktor der Kunsthalle Bremen) und Dr. Johannes Janssen (Direktor der VGH-Stiftung und der Niedersächsischen Sparkassenstiftung.)

(Text: Anna Stella Bonin)