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Digitalisierung der Thaer-Bibliothek

Dr. Christian Fieseler

Aus dem Karton ins Regal

Akkurat in Kartons verpackt, wurden die Bände der Celler Thaer-Sammlung per Spedition in Göttingen angeliefert. Seitdem sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SUB damit beschäftigt, sie der Öffentlichkeit verfügbar zu machen. Das klingt einfacher als es ist, wie Dr. Christian Fieseler, Leiter der Spezialsammlungen und Bestandserhaltung erläutert: „Bevor ein Werk gelesen oder ausgeliehen werden kann, muss es erst einmal in unserem Bestand auffindbar sein. Bei der sogenannten Katalogisierung erfassen wir im ersten Schritt alle relevanten Daten rund um das Schriftstück. Dazu gehören neben dem Titel u.a. auch das Erscheinungsjahr, eine etwaige Serienzugehörigkeit und natürlich der genaue Standort in unserer Bibliothek.“

Rolf Roeper

Aus dem Regal in die Welt

Alle katalogisierten Bücher der Thaer-Bibliothek werden in der SUB anschließend digitalisiert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Reproduktion sind technisch perfekt ausgestattet: „Mit verschiedenen großformatigen Scannern können wir sowohl einzelne Drucke einlesen wie auch die Seiten besonders dicker oder beschädigter Bücher scannen, die sich nicht bis zu einem Winkel von 180 Grad öffnen lassen“, erklärt Teamleiter Rolf Röper. Manche Werke eignen sich sogar für den Einsatz von Texterkennungsprogrammen, sodass sie nicht nur als Bild, sondern auch als Textdokument aufbereitet werden können – für viele Nutzer ein entscheidender Vorteil. Nach Abschluss der Digitalisierung können Studierende und Interessierte auf der ganzen Welt über die Online-Bibliothek der SUB direkt auf die Thaer-Sammlung zugreifen.

Beispiele Digitalisierung Thaer-Bibliothek

„Die Schätzung des Ackerlandes"

In der „Schätzung des Ackerlandes“ befasst sich Thaer damit, wie Abgaben (Steuern) für Grundbesitz errechnet werden sollten. Auch in seinem mehrbändigen Hauptwerk „Grundsätze der rationellen Landwirtschaft“ (1808–1812) setzte er sich mit der Thematik auseinander. Als Bewertungsparameter für die Bonitierung der Böden nannte Thaer beispielsweise die Bodenzusammensetzung, den Untergrund, das Klima, die Höhenlage, Oberflächengestalt, Bodenfeuchte und die potentiellen Erträge. Er gilt daher als der Begründer der wissenschaftlichen Bodenbonitierung (Bodenschätzung) in Deutschland.

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„Denkschrift über die Lage der Drainkultur im Preußischen Staate“

Die „Denkschrift über die Lage der Drainkultur im Preußischen Staate“ stammt von einem Enkel von Albrecht Daniel Thaer, der den Namen Conrad Wilhelm Albrecht Thaer trug. Er war, wie sein Großvater, Agrarwissenschaftler. Bei der Denkschrift handelt es sich um eine Auftragsarbeit für das preußische Ministerium für die landwirtschaftlichen Angelegenheiten. Ein kurzer Auszug dieser Denkschrift ist 1865 in der Zeitschrift „Annalen der Landwirtschaft in den königlich-preussischen Staaten“ erschienen. Sie erschien auch als eigenständiger Druck mit einem kleinen Vorwort des Ministeriums; diese Ausgabe war vor 1945 außer in der Thaer-Bibliothek nur in der Staatsbibliothek zu Berlin nachgewiesen, doch dort ist das Bändchen ein Kriegsverlust. Hier wird deutlich, welche immensen wissenschaftlichen Schätze bislang in Celle schlummerten und nun der Öffentlichkeit zugänglich werden.

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Über Albrecht Daniel Thaer

Der Arzt Albrecht Daniel Thaer wurde 1752 im niedersächsischen Celle geboren. Im Laufe seines Lebens beschäftigte er sich intensiv mit Landwirtschaft und erlangte durch sein Wirken als Agronom Bedeutung. Er war Mitherausgeber der „Annalen der Niedersächsischen Landwirthschaft“. Weitere bedeutende Schriftstücke Thaers sind die „Annalen des Ackerbaues“ und die „Grundsätze der rationellen Landwirthschaft“.

 

 

Text und Medien: Anna Stella Bonin
Redaktion: Bruno Schubert
Umsetzung Internet: Jörg Zimmermann