Förderpreis Museumspädagogik 2019 der VGH-Stiftung für vier Museen

11.09.2019

Die VGH-Stiftung verleiht ihren Förderpreis Museumspädagogik für beispielhafte museumspädagogische Projekte, die neue Wege in der Vermittlung gehen. Vier Museen erhalten den mit jeweils 3.500 Euro dotierten Preis. Mit dem Preisgeld können die von der Jury prämierten Vorhaben innerhalb eines Jahres umgesetzt werden.

Preisträger des Förderpreises Museumspädagogik 2019:

„Wie ist die Materialität, die Oberfläche, die Farbigkeit des Objekts?“, diese Fragen stellt das Focke-Museum in seinem neuen Vermittlungsformat für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen. Die Teilnehmenden des Projekts „Von Schatzkammern und Schatzhütern: Entdecken – Sammeln – Bewahren“ erfahren, erleben und erforschen mit künstlerischen Strategien und Methoden das Museum; sie lernen seine darin verortete Kunst und deren Geschichte kennen. Über einen Zeitraum von zwei Monaten werden die Kursteilnehmer im Museum von einem künstlerischen und pädagogisch geschulten Team begleitet. Angelehnt an die Methoden der ästhetischen Forschung werden die Teilnehmenden aufgefordert, sich auf die Suche zu begeben. Diese unmittelbare Wahrnehmung der Eindrücke wird mit Skizzen, Drucken und Fotografien festgehalten. Im Verlauf des Projekts entsteht somit eine kleine Sammlung persönlicher Schätze, die zum Abschluss in einer Werkschau präsentiert wird. Dieses Projekt wurde in Kooperation mit dem Martinsclub Bremen e.V. entwickelt und verbindet die Intention, experimentelle Kunst im Bereich der ästhetischen Forschung in einem inklusiven Format zu entwickeln.

„Durch die Linse geschaut“, so lautet der Titel des Projekts des Museums Bückeburg, das Schülerinnen und Schülern ermöglicht, ihre Stadt „mit eigenen Augen“ zu sehen. Das Museum Bückeburg besitzt eine umfangreiche Fotosammlung; darunter befindet sich das Bildarchiv eines Fotografen, der im Auftrag der Schaumburg-Lippischen Landeszeitung in den 1950er bis 1970er Jahren in und um Bückeburg tätig war. Durch den Vergleich mit den historischen Fotos und den heutigen gesellschaftlichen Ereignissen bzw. Gegebenheiten ergeben sich für die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Adolfinum neue Sichtweisen. Die Jugendlichen gehen zum Beispiel der Frage nach: „Was hat sich im Stadtbild und in der Gesellschaft in Bückeburg geändert?“ Fotos vom Tanzunterricht aus den 1950er Jahren geben interessante Einblicke in die gesellschaftliche Rollenverteilung und können mit heutigen Erfahrungen verglichen werden. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler erhalten durch den Vergleich die Möglichkeit, ihre Stadt und die Umgebung mit anderen Augen kennenzulernen und zu reflektieren.

Kinder und Jugendliche aus Bremen-Vegesack gestalten von der Ideenfindung bis hin zur Realisierung einen Film im Overbeck-Museum Bremen und setzen sich dabei mit der Lebensgeschichte und der Kunst von Fritz und Hermine Overbeck sowie dem Museum auseinander. Das Filmprojekt wird gemeinsam mit dem E.L.F., Erstes Lesumer Fernsehen e.V., angeboten und bietet den Jugendlichen die Möglichkeit, sich anhand des Mediums Film mit dem Museum und der darin enthaltenen Kunst zu beschäftigen. Die Jugendlichen setzen ihre eigene Sichtweise auf die Kunst individuell um und präsentieren am Ende des Projekts einer breiten Öffentlichkeit ihre Arbeit, in dem der fertige Film im Overbeck-Museum gezeigt wird. So wird eine neue Sichtweise auf das Overbeck-Museum von Jugendlichen geschaffen, die einen festen Platz in der Ausstellung des Museums finden wird.

In der Sonderausstellung „100 Jahre Frauenstudium in Deutschland 1919 bis 2019“ der Stiftung Schulmuseum in der Stiftung Universität Hildesheim wird die relativ junge Geschichte des Frauenstudiums dargestellt. In Zusammenarbeit mit dem Centrum für Lehrerfortbildung und Bildungsforschung der Universität erarbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schulmuseums mit Studierenden die Umsetzung der Ausstellung. Exemplarisch werden Frauenbiografien aus den vergangenen 100 Jahren - aus der Frühzeit des Frauenstudiums, aus der Zeit des Nationalsozialismus und den vier Jahrzehnten des geteilten Deutschlands bis zur Gegenwart - zum Beispiel in Film- und Interviewsequenzen dargestellt. Für die Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I und II aus Stadt und Landkreis Hildesheim sowie aus der Landeshauptstadt Hannover wird das Thema der Sonderausstellung „Frauenstudium früher und heute“ auf verschiedenen Ebenen behandelt. Durch das Projekt können die Teilnehmenden das Selbstverständnis von weiblichen und männlichen Rollenbildern in Bezug auf unterschiedliche Bildungschancen überprüfen.

Die Jury des Förderpreises Museumspädagogik 2019:

  • Dr. Andreas Grünewald Steiger, Bundesakademie für Kulturelle Bildung e.V., Wolfenbüttel
  • Dr. Johannes Janssen, VGH-Stiftung
  • Dr. Elke Kollar, Bundesverband Museumspädagogik e.V./ Badisches Landesmuseum Karlsruhe
  • Hans Lochmann, Museumsverband für Niedersachsen und Bremen e. V.

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