Wissenschaft

Historische Orgelbaupläne aus Göttingen gesichert und nutzbar gemacht

Die Orgelbaufirma Ott wurde 1931 in Göttingen von Paul Ott gegründet, der sie in der Folgezeit zur bedeutendsten Orgelbauwerkstatt Norddeutschlands machte. Das Unternehmen war bis 1980 tätig, es baute neue und reparierte alte Instrumente und es prägte wie kaum ein anderes den Orgelbau der ersten Nachkriegsjahrzehnte. In seiner Heimatstadt Göttingen sind noch heute die drei großen Kirchen (St. Johannis, St. Jacobi und St. Albani) mit Großorgeln von Ott bestückt. Auch in zahlreichen europäischen, amerikanischen und asiatischen Kirchen finden sich Orgeln der Göttinger Firma.

Paul Ott folgte den Prinzipien der deutschen Orgelbewegung des frühen 20. Jahrhunderts, die sich vom Bau spätromantischer Orgeln abwandte und eine Rückbesinnung auf barocke Orgelbautraditionen propagierte. Die so entstandenen „neobarocken“ Orgeln zeichnen sich aus durch deutlich härtere Klänge und eine mechanische Traktur aus. Er vollzog die Wendung zur barocken Orgelbaukunst konsequent auch in der technischen Umsetzung.

2011 übernahm die in Wolfenbüttel angesiedelte Stiftung Niedersächsisches Wirtschaftsarchiv das Archiv der ehemaligen Orgelbaufirma Ott. Das Archiv umfasst Pläne und Zeichnungen zu 1.145 Orgeln, die von Ott gebaut oder restauriert wurden. Neben ihrer musikwissenschaftlichen Bedeutung sind die Unterlagen insbesondere für heutige Instandhaltungs- und Umbaumaßnahmen der dokumentierten Instrumente von größter Wichtigkeit und daher stark von Fachfirmen nachgefragt. Allerdings wurden die Unterlagen nach Konkurs der Firma 1980 jahrzehntelang unsachgemäß gelagert, sodass Verunreinigung und Pilzbefall die Benutzung nicht erlaubten.

Um diese Pläne und Zeichnungen für die Zukunft zu sichern, hat die verwahrende Institution, die Stiftung Niedersächsisches Wirtschaftsarchiv in Wolfenbüttel, mit Hilfe des Bundesstaatsministerin für Kultur und gefördert von der VGH Stiftung 5.200 Objekte restaurieren und fachgerecht in säurefreie Mappen verpacken lassen. Beschreibende Informationen zu den Inhalten können in einer Online-Datenbank recherchiert werden. Instrumente aus Göttinger Kirchen, Kapellen und Krankenhäusern sind darin zahlreich dokumentiert.

Kontakt:
Stiftung Niedersächsisches Wirtschaftsarchiv
Forstweg 2
38302 Wolfenbüttel
www.ndswa.de